16. August 2010
Neuer ELCH !
Wie schön, wenn man mal selbst nichts schreiben muss, dennoch Erfreuliches zu vermelden hat, weil das Ganze mit ELCH und OLLI DITTRICH zu tun hat...
Der Satirepreis GÖTTINGER ELCH geht in diesem Jahr an den Komödianten, Musiker und Schauspieler Olli Dittrich. Die Auszeichnung wird jährlich für ein satirisches Gesamtwerk vergeben und ist mit 3.333 Euro, einer silbernen Elchbrosche und 99 Dosen „Original Göttinger Elch-Rahmsüppchen“ dotiert. Die feierliche Verleihung, an der mit Helge Schneider auch der Preisträger des letzten Jahres teilnimmt, findet am 25. September 2010 im Deutschen Theater in Göttingen statt.
Olli Dittrich „ist ein Künstler, der der Fernsehkomik neue Wege erschlossen hat“, und „ein Meister der lustigen Mimikry, der in wechselnden Rollen die Komik-Kultur in Deutschland seit 20 Jahren mitgestaltet, ja prägt“, so die Jury. „Er machte intelligente Comedy, als das noch kein Widerspruch war. Er brachte den sorgfältig gebauten, mit liebevoller Ironie und trockenem Humor gespielten Sketch wieder ins Fernsehen, als alle Welt auf platte, am Fließband produzierte Pointen setzte, und erwies sich damit als würdiger Nachfolger Loriots.“ Dittrich, heißt es in der Begründung der Jury weiter, habe es verstanden, „in seinen Figuren, die er in allen möglichen Milieus und Schichten ansiedelt, ein komisch treffendes Bild unseres Gesellschaft zu zeichnen, einer Gesellschaft, über die man nur lachen kann.“ Insbesondere die seit 2004 laufende Improvisationsserie „Dittsche“ sei beste aufklärerische Unterhaltung: „Während Politiker aus ihrer Verachtung der Unterschicht kein Hehl machen, gibt Olli Dittrich alias Dittsche den Verlierern, den Gescheiterten mit den Mitteln der Komik ihre Würde zurück und zeigt sie als Menschen, die mit skurrilem Aberwitz inmitten einer verrückt gewordenen Welt ihren Eigensinn behaupten.“
Der 1956 geborene Oliver „Olli“ Dittrich wurde in den 90er Jahren durch die Comedy-Serie „RTL Samstag Nacht“ bekannt. Einen regelmäßigen Höhepunkt der Sendungen bildete die mit Wigald Boning gespielte Talkshowparodie „Zwei Stühle – eine Meinung“. Ebenfalls mit Boning bildete er 1995 die Komik-Popgruppe „Die Doofen“, die mit Hits wie „Mief“ großen Erfolg hatte. Nach dem Ende von „RTL Samstag Nacht“ bekam Dittrich mit „Olli, Tiere, Sensationen“ eine eigene Sketch-Show im ZDF. 2001 erfand er das Improvisationsformat „Blind Date“, in dem er zusammen mit Anke Engelke ohne Drehbuch, aus dem Stegreif agierte. 2004 startete jene Improvisationsserie, die im Herbst 2010 in die 14. Staffel gehen wird: „Dittsche“. In ihr spielt Olli Dittrich einen Mann im Bademantel, der am Tresen eines Imbisslokals ebenso absurd wie treffend über Gott und die Welt, die Politik und den Alltag sinniert. Voraussichtlich 2011 wird Olli Dittrich in der Filmkomödie „Tauben auf dem Dach“ zu sehen sein.
Vor dem GÖTTINGER ELCH wurde Olli Dittrich für seine Fernseharbeiten dreimal mit dem Adolf-Grimme-Preis geehrt: 1995 mit Wigald Boning für die Sketchreihe „Zwei Stühle – eine Meinung“, 2003 mit Anke Engelke für die Improvisationsserie „Blind Date“ und 2005 für „Dittsche – Das wirklich wahre Leben“. Das mit Boning gebildete Duo „Die Doofen“ wurde Mitte der 90er Jahre ebenfalls mehrmals ausgezeichnet, 1995 z.B. mit der „Goldenen Stimmgabel“ des ZDF. Daneben erhielt Olli Dittrich als Schlagzeuger der Country-Band Texas Lightning zusammen mit den anderen Gruppenmitgliedern 2006 die Ehrenbürgerschaft des US-Bundesstaates Texas und der Stadt Texas im australischen Bundesstaat Queensland.
Der Satirepreis GÖTTINGER ELCH wird 2010 zum 13. Mal verliehen. Die bisherigen Preisträger waren der Cartoonist Chlodwig Poth (1997), der Zeichner und Schriftsteller Robert Gernhardt (1999), der Kabarettist Gerhard Polt (2000), der Kolumnist und Übersetzer Harry Rowohlt (2001), die Karikaturistin Marie Marcks (2002), der Zeichner und Dichter F. W. Bernstein (2003), der Schweizer Kabarettist Emil Steinberger (2004), der Komiker Otto Waalkes (2005), der Zeichner Hans Traxler (2006), der Zeichner und Musiker Ernst Kahl (2007), die bayerischen Volksmusiker und Kabarettisten der Biermösl Blosn (2008) sowie der
Musiker, Schriftsteller und Filmemacher Helge Schneider (2009).
Der GÖTTINGER ELCH will den guten Ruf der komischen Künste festigen und das Ansehen der in Wort und Bild tätigen Satiriker im deutschen Sprachraum mehren. Der Preis hat seine Heimat nicht zufällig in Göttingen: Die Stadt hat Tradition in Sachen Satire, die im 18. Jahrhundert mit dem genialen Aphoristiker Georg Christoph Lichtenberg beginnt und bis in die jüngste Vergangenheit von den Wahl-Göttingern Robert Gernhardt und F.W. Bernstein fortgeführt wurde. Einem sprichwörtlich gewordenen Zweizeiler Bernsteins ist der Name des Satirepreises entlehnt: „Die schärfsten Kritiker der Elche / waren früher selber welche.“
Die ELCH-Jury 2010: Antje Kunstmann, München, Verlegerin; Hilmar Beck, Fachbereich Kultur der Stadt Göttingen; WP Fahrenberg, Ausstellungsbüro Göttingen; Achim Frenz, Museum für Komische Kunst Frankfurt am Main; Peter Köhler, Göttingen, Journalist; Martin Sonntag, Caricatura Kassel; Hans Zippert, Oberursel, Publizist; Helge Schneider, ELCH-Preisträger 2009.
Mehr über den ELCH und seine Preisträger unter: www.goettinger-elch.de
4. August 2010
Urlaubsziel (aber wirklich, jetzt !)
Der überaus regen Initiative CARTOONLOBBY mit ihrem Mastermind Andreas Nicolai ist schon wieder Bemerkenswertes gelungen : nämlich der passendste Titel überhaupt für eine Satire-Ausstellung im Jahr 2010 – "Schmierige Zeiten"...
Vom 6. August an werden im reizenden Lübbenau im Spreewald (ein Ort, den man sich aus vielen Gründen merken sollte) über 200 Bilder zu sehen sein, die andere Sammelpräsentationen dieses Sommers recht alt aussehen lassen. "Akut & Gut" wäre ein anderer möglicher Titel für die Schau gewesen, an der Bernstein, Schwalme, BURKH, Ehrt, Hachfeld, Polo, Woessner, Beyer, aber auch noch nicht ganz so vertraute Herren und Damen wie Heinisch, Hühn, Kiefel, Kahlsdorf, Pfohlmann, Zitzmann und so fort (ohne Qualitätsschwund) teilnehmen. Verdammt, verdammt, verdammt schön. Und lohnt in jeder Hinsicht den kleinen Umweg !
www.cartoonlobby.de
22. Juli 2010
Hannover heißt jetzt anders...
Chapeau ! Ausgerechnet das Wilhelm-Busch-Museum gibt sich einen neuen Namen und setzt damit ein kluges Zeichen in der Definitionsdebatte...
Aus dem "Deutschen Museum für Karikatur und kritische Grafik" (so hieß das WBM bislang offiziell) wird nun – in Reaktion auf eine sich erheblich verändernde Szene – "Deutsches Museum für Karikatur und Zeichenkunst – Wilhelm Busch". Man darf dies durchaus als kleine Ohrfeige an die Vertreter der grassierenden "Komische Kunst"-Fraktion sehen – einer ebenso unüberlegten wie unzutreffenden Verallgemeinerung, die wohl nur ein paar Kleinstwitzzeichner gefreut haben mag, die sich und ihr "Werk" plötzlich großmäulig geadelt sahen. Das "Komische" in der "Kunst" existiert bekanntlich seit der Antike, hatte über bedauerlich lange Zeit ein gewaltiges Rezeptionsproblem ("Bitte im Museum nicht lachen !"); zeitgenössische Künstler verwenden ganz selbstverständlich Elemente aus Satire, Parodie, Nonsens, ohne sich damit als Unterabteilung der "Karikatur" zu definieren, der "gemeine Karikaturist" seinerseits rückt nicht durch die bloße Verwendung von einigen wenigen, z.B. "malerischen" Stilmitteln zum meisterlichen Künstler auf. Niemand käme auf die Idee, brave Pressekarikaturisten in bedeutende Kunsthallen zu zerren; und Karikaturmuseumsleiter machen eh seit je und durchaus zu Recht einen Riesenbogen um Cage, Beuys, Lüthi, Blume, Ulrichs, Kippenberger, Wurm, Schneider, Schütte und Kollegen – so umwerfend komisch vieles an deren Werken bei genauer Betrachtung sein mag. Und für die kleine Zahl der Grenzenbrecher und Multitalente (von Ungerer bis Waechter, von Kahl, Sowa und Hurzlmeier bis zu Mahler, Hoppmann und Sieber) darf man sich ja wohl die Mühe einer neuen Schublade machen – notfalls dann auch (zusätzlich) mit "KK" etikettiert. Für das große Feld der hochqualitativen und bewundernswerten "Nicht-Karikaturisten" ist "Zeichenkunst" eine treffend angemessene Zuordnung, gegen die sie sich nicht wehren werden. Warum auch ?
19. Juli 2010
Jetzt erst recht
Wenn man eine derart spannende Sammlung über so lange Zeit zusammengetragen hat, sollte man sie auch zeigen.
Das hat sich auch der Freundeskreis Willy-Brandt-Haus in der Hauptstadt gesagt, und präsentiert nun Arbeiten von über 60 Künstlern aus der ehemaligen DDR, darunter Karl-Heinz Adler, Carlfriedrich Claus, Michael Morgner, Hermann Glöckner, Hans-Hendrik Grimmling, Ralf Kerbach, Willy Wolff und viele andere. Was alle ausgestellten Künstler verbindet, ist, dass sie in der DDR geboren beziehungsweise sozialisiert worden sind. DDR ist hier jedoch in erster Linie ein geografischer Begriff, es ist Heimat und nicht politische Verortung. Feine Sache am richtigen Platz (bis zum 5.9.)
www.willy-brandt-haus.de
1. Juli 2010
WAECHTER lebt !!!
Was gab es nicht für heftige Debatten zum Verbleib des Werkes von F.K. Waechter, dem vielleicht komplettesten Zeichner (und Künstler) der Komischen Kunst ? Würde es im Hannoveraner Wilhelm-Busch-Museum begraben werden, wie viele Szenekenner vermuteten ?
Hannover ist schließlich nicht unbedingt für eine künstler- und vor allem ausstellerfreundliche Verleih-Politik bekannt... Daher Widerspruch und Lob zugleich : seit dem 2. Juli sind in der Galerie Stihl in Waiblingen (Weingärtner Vorstadt 14, Kunstschule Unteres Remstal) endlich wieder Bilder des Großmeisters und Jahrhundertkünstlers der Öffentlichkeit zugänglich ! Und ein umfangreiches Begleitprogramm wird auch geboten, u.a. mit Hans Joachim Neyer, Leo Fischer und der Kunsthistorikerin Zara Reckermann, weiterhin gibt’s die Filme der "Gruppe Arnold Hau" anzusehen, mit Einführung von Urmitglied Arend Agthe. Schön, und alles lohnt sich – daher mag es bitte nicht missverstanden werden, daß wir uns auch über den Hinweis "Damit auch der Gaumen nicht zu kurz kommt, ist für Kaffee, Tee und Gebäck gesorgt" (den FKW geliebt hätte) aufrichtig freuen.
Erklären möge man uns nur, wer auf den komplett blödsinnigen Ausstellungstitel "SATIREKUNST" gekommen ist. Na, Hauptsache, FK Waechter ist wieder unter den Lebenden !!! Chapeau fürs WBH und die Stadt Waiblingen !
www.galerie-stihl-waiblingen.de
26. Juni 2010
Rettet Hoppmann die Republik ?
Was die deutsche Politik am nötigsten braucht, sind "Charakterköpfe".
Die liefert zuverlässig, mit grandioser Technik und wohldosierter Hinterfotzigkeit der vermutlich beste Portraitist aus hiesigen Landen, Frank Hoppmann. Einziges Manko : auch Hoppmann kann keine neuen Visagen erfinden – dafür nimmt er sich um so liebevoller den altbekannten an, auch wenn die Eigentümer derselben wohl nie eins dieser Portraits zum Zwecke der Selbstbeweihräucherung für die Bürowand käuflich erwerben würden. Fein und mutig, daß die Brandenburgische Landeszentrale für politische Bildung die meisterlichen Entblößungen immerhin in einem adäquaten Umfeld zu präsentieren wagt; ab dem 28. Juni also ein guter Grund für einen Abstecher nach Potsdam...
www.politische-bildung-brandenburg.de